Synagogenfahrt der 9. Jahrgangsstufe

„Gehe hin und lerne“ lautete das Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit. Diesem Aufruf folgte auch die Lobkowitz Realschule und begab sich am letzten Montag vor den Sommerferien mit vier neunten Klassen nach Floß, um die Synagoge vor Ort kennenzuLERNEN. Geführt wurden die Schüler durch den Flosser Bürgermeister, Herrn Günter Stich persönlich. Der ehemalige Absolvent der Lobkowitz Realschule begrüßte die jungen Leute vor der Synagoge und begleitete sie in das Bauwerk, das zwischen 1815 und 1817 in seiner heutigen achteckigen Form im klassizistischen Stil errichtet worden war. Drinnen angekommen lauschten die Besucher wunderbaren Klängen von jüdischer Musik und kamen bei meditativer Stimmung zur Ruhe. Bürgermeister Stich gab Ausführungen zur Geschichte der Flosser Juden, deren Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus, zu besonderen Einrichtungsgegenständen der Synagoge, Symbolen (12 Säulen für die 12 Stämme Israels) und zur Nutzung des Gebäudes in der Vergangenheit und Gegenwart. Heute leben keine Juden mehr in Floß. Doch die Synagoge wird von der jüdischen Gemeinde Weiden betreut, und es finden Feierlichkeiten (Woche der Brüderlichkeit, die die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seit 1952 veranstaltet) und Konzerte darin statt. Sogar eine Nachfahrin Oskar Schindlers („Schindlers Liste“), der bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten bewahrte, hatte unlängst einen Stein der Erinnerung in die Flosser Synagoge mitgebracht, den die Schüler in Augenschein nehmen konnten. Des Weiteren informierte Stich über den benachbarten Judenfriedhof, welchen die Neuntklässler am Ende ihrer Exkursion besuchten. Abschließend bearbeiteten die Teenager ein Begleitheft, welches Fr. Reich konzipiert hatte, und damit zu einer eigenständigen Erkundung rund um die Synagoge einlud. Der Unterrichtsgang bot hervorragende Anknüpfungspunkte zu den Fächern Geschichte (10. Klasse: Fahrt nach Flossenbürg) und Kunst (die filigranen bunten Glasfenster mit hebräischen Schriftzügen waren eigens in Israel für die Synagoge gefertigt worden). Ferner sieht das Vorbereitungsteam der Synagogenfahrt darin eine Bereicherung auf den Gebieten der Demokratieerziehung sowie der Heimat- und Kulturkunde. Das angemessene Verhalten in einem sakralen Raum, das bereits in der 5. Jahrgangsstufe angebahnt wurde, konnte zudem konkret erfahren und vertieft werden. Fr. Riedel, die die Synagogenfahrt organisiert hatte, bedankte sich herzlich bei Bürgermeister Stich mit einer Flasche Wein aus dem Fairen Handel, den die Lobkowitz Realschule seit 2015 durch vielfältige Aktionen unterstützt. „Gehe hin und lerne“ – das gelang unseren interessierten Schülern am außerschulischen Lernort „Synagoge“ zweifelsohne.

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